Eine Filmarbeit

Achim
Eine Treppe führt uns in den Vorführraum eines Kinos. Dort, in dem kleinen Raum, bewegt sich sehr routiniert der Vorführer Achim. Gekonnt legt er eine 70mm Filmrolle in das komplizierte System des analogen Projektors ein. Der Film beginnt – der Film endet. Achim baut den Film wieder ab. Auch dabei sind seine Bewegungen sehr schnell und sorgfältig. Man sieht, dass er schon lange in dem Bereich arbeitet. Tatsächlich hat er bereits mit 17 Jahren im Kino angefangen. Die Filmrolle wird die Treppe hinuntergetragen, in ein anderes Kino, zu einem anderen Vorführer.
D 2016, 14 Min, Olga Kondyli-Roussou

TALK#BUSINESS
Was versteht man unter dem Wort Arbeit? Wie sieht jemand bei der Arbeit aus? Wo ist die Grenze zwischen privatem Raum und Arbeits-Raum? Oder besser gesagt, gibt es überhaupt immer solche Unterscheidungen? Eine Handy-Kamera verfolgt einen Mann bei der Arbeit. Für ihn ein ganz normaler Arbeitstag, der aber nicht unbedingt zu der Vorstellung von Arbeit passt, die man gemeinhin hat.
D 2016, 8 Min, Faezeh Nikoozad

ARBEITSTITEL
Ich sollte arbeiten, eine Arbeit schreiben, beschreiben, eine Beschreibung der Arbeit schreiben, die beschreibt, die Arbeit. Ich sollte arbeiten für Geld, aber ohne, Kraft kostet Energie, die ich brauche um zu hacken für die Wärme, im Zimmer brennt der Ofen. Ich sitze und schneide und denke, kein Muskel zuckt oder katert, nur Beschwerden im Rücken, wegen dem schweren Holz. Ich hacke Holz, Bilder, Worte, beschreibe Arbeit. Es ist ein Arbeitstitel.
D 2016, 9 Min, Hubert Schmelzer & Natascha Simons

7:23 UHR
In der Langsamkeit kann sich der Geist der frühmorgendlich zur Arbeit Fahrenden entfalten. Ein gedehnter Moment von Müdigkeit in der Dämmerung. Der Film als Moment, in dem fremde Menschen durch ihren gemeinsamen Rhythmus verbunden sind.
D 2016, 8 Min, Lea Friedrich

VERWALTETE WELT
Für Adorno sind »alle Menschen gleichermaßen eingezwängt in das starre Korsett des Arbeitsprozesses. Der Gedanke, dass die Gesellschaft auch anders sein könnte, wird ihnen systematisch ausgetrieben, weil sie es sonst nicht aushielten, ihre Arbeitskraft unaufhörlich zu Markte tragen zu müssen.« Adorno verwendet den Begriff der »verwalteten Welt« im Zusammenhang der von ihm sogenannten Zwangsvergesellschaftung und Anonymisierung von Herrschaft. Der Betrachter des Films wird von Außen ins Innere eines Bürogebäudes geführt. Dass an diesem Ort Menschen und Arbeit zusammengebracht werden sollen, wird durch die Bilder nicht gezeigt und bleibt für den Zuschauer nur erahnbar. Menschen werden sichtbar durch ihr Spiegelbild in der gläsernen Häuserfassade, Reales mischt sich mit Imaginärem – bis zu dem Punkt, an dem wir im Büro des Vorstandes einen Einblick in dessen Vorstellung von Arbeit bekommen.
D 2016, 12 Min, Anna Walkstein

AQUARIUM
Ein Aquarium zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass es von außen gut einsehbar ist. Dass die Vorgänge im Inneren von außen gut zu beobachten sind. Doch genauer betrachtet ist der Blick von innen nach außen genauso klar. Dies spielt bei den regulären Aquarien in unseren Wohnzimmern wohl eher eine untergeordnete Rolle. Bezogen auf die aquarienähnlichen Glasbauten im öffentlichen Raum ist dieser Umstand allerdings essentiell. Egal ob Nachtschalter, Portierhäuschen oder Kinokasse – der Arbeitsraum ist für die dort arbeitende Person mit einer guten Übersicht ausgestattet. Andererseits ist sie an ihrem Arbeitsplatz stark den Blicken von außen ausgesetzt. Es entsteht ein Zwischenraum, nicht öffentlich, nicht privat. Isoliert und geschützt, aber kein Rückzugsort. Infolgedessen kommt es zu Begegnungen und Versuchen der Kontaktaufnahme. Zu einem flüchtigen Eindruck von der anderen Seite. Trotzdem festigt sich eine nicht aufzuhebende Trennung von Innen und Außen.
D 2016, 11 Min, Stephan Rosche

SCHIFFBEK/BILLSTEDT
Der kommunistische Aufstand in Hamburg 1923 war der letzte Versuch einer bewaffneten sozialistischen Revolution in Deutschland. Er konzentrierte sich in den Stadtteilen Barmbek, Hamm und Schiffbek, heute Billstedt, und dauerte drei Tage. Der Film legt Passagen Larissa Reissners poetisch-polemischen Textes Hamburg auf den Barrikaden (1925) über Aufnahmen der heutigen Geograhie Billstedts sowie der vermeintlichen historischen Schauplätze und beschwört somit die Vergangenheit und fordert uns auf, unseren Blick für Geschichte wie auch unsere Gegenwart zu schärfen oder zumindest zu thematisieren. Was ist sichtbar? Wie arbeiten Bild und Text zusammen und wie gegeneinander? Entstehen Verknüpfungen oder doch eher Differenzen?
D 2016, 11 Min, Samuel Parkes Heinrichs

TRANSRAPID
Der Film ist das Portrait über eine Maschine, die ich schon sehr lange kenne. Diese Strickmaschine funktioniert noch einwandfrei, wird jedoch wegen dem hohen Arbeitsaufwand nicht mehr verwendet. Besonders fasziniert hat mich die sinnliche Seite dieses großen und schweren Geräts: Während die filigranen Garne mit dem schweren eisernen Werkzeug verarbeitet werden, surrt die Strickmaschine beruhigend und hypnotisch vor und zurück. Das Tempo der eigenen Bewegungen bestimmt die Geräusche der Maschine. Nach den sich immer wiederholenden Handgriffen verbinden sich die einzelnen Fäden und es entsteht ein großes Bild.
D 2016, 5 Min, Marie-Thérèse Jakoubek